Künstliche Intelligenz (KI) könnte die Arbeit im Naturschutz schon in naher Zukunft ebenso selbstverständlich unterstützen wie es heute Geoinformationssysteme, statistische Methoden und Modellierungen tun. Derzeit befinden sich die meisten KI-Systeme jedoch noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium und müssen gezielt in behördliche Anwendungen sowie in die Praxis von Naturschutzorganisationen überführt werden, um ihr volles Potenzial zu entfalten 1
Anwendungsfelder, die besonders in den Fokus rücken, sind etwa:
KI in der Bilderkennung ermöglicht es, große Mengen an Bild- und Satellitendaten automatisiert auszuwerten. In der Fernerkundung kann sie trainiert werden, um Habitattypen und Landnutzungsveränderungen zuverlässig zu kartieren, illegale Rodungen oder Wilderei frühzeitig zu erkennen sowie Tier- und Pflanzenarten anhand von Foto- oder Kamerafallendaten zu identifizieren1.
KI in der Audio- und Spracherkennung eröffnet neue Möglichkeiten für die Bioakustik. Durch den Einsatz von KI-Systemen lassen sich akustische Monitoringdaten, etwa Aufnahmen von Fledermaus- oder Vogelrufen, automatisiert analysieren und Arten präzise bestimmen. Was bisher ein geschultes Ohr und viel Zeit erforderte, kann so deutlich schneller und in größerem Maßstab erfolgen. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt AI4WildLIVE, das audiovisuelle Monitoringdaten auf einer gemeinsamen Plattform archiviert, auswertet und frei zugänglich macht2.
KI in der Modellierung und Entscheidungsunterstützung bietet Potenzial für komplexe Bewertungsaufgaben. KI-Systeme können trainiert werden, um Habitateignungen und Artverbreitungen zu modellieren, Aussterberisiken halbautomatisiert zu bewerten oder konkrete Handlungsempfehlungen für den Artenschutz und gefährdete Lebensräume zu generieren3.
Damit diese Potenziale gesellschaftlich genutzt werden können, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Seit 2018 gilt KI in Deutschland als Schlüsseltechnologie, wobei die nationale KI-Strategie besonders Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit als zentrale Anforderungen benennt. Auf europäischer Ebene wurden 2024 mit dem EU AI Act ebenfalls verbindliche Regeln für den KI-Einsatz geschaffen 4.
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Quellenübersicht
- 1Künstliche Intelligenz im NaturschutzChristian Schneider, Jana Wäldchen, Patrick Mäder
- 2Bürgerportal, Archiv und Analysetool für multimodale MonitoringdatenSenckenberg Gesellschaft für Naturforschung
- 3Modelling Species Distributions with Deep Learning to Predict Plant Extinction Risk and Assess Climate Change ImpactsJoaquim Estopinan, et al.
- 4RahmenbedingungenBundesamt für Naturschutz